Kopf oder Bauch
Heute morgen war ich bei einem Workshop. Titel: Kopf oder Bauch - wer stellt bei Ihnen die Mitarbeiter ein. Nun, da fange ich doch gleich an, mir Gedanken über meine letzten Einstellungen zu machen.
Als erstes muss ich feststellen, dass der Bauch eine Eintrittsbarriere für Bewerber sein kann. Und das fängt bei einem sehr kleinen Punkt an, etwa 4 x 5 cm groß: das Bewerbungsfoto. Ich mache mir echt anhand dieser paar Zentimeter Foto schon ein Bild vom Kandidaten und wenn mir dieses Bild nicht gefällt, dann hat er’s schwer. Nur warum? Ich bilde mir ein, anhand des Fotos abschätzen zu können, was für ein Mensch der Bewerber ist. Bekomme ich eine Bewerbung ohne Foto - was komischerweise immer wieder vorkommt - fällt es mir sehr schwer, seine fachlichen Fähigkeiten beurteilen zu können. Ich muss das Ganze mit einem Bild verknüpft sehen. Dabei ist es nicht unbedingt Sympathie oder Antipathie, sondern eher die Vorstellung, wie so jemand arbeiten würde. Ich lag natürlich auch schon daneben. Kräftig daneben sogar. Aber das lag m.E. eher daran, dass der Bewerber sich für das Foto so zurechtgemacht hat, dass er nicht mehr er selbst war.
Nachdem die Foto-Hürde genommen ist, sehe ich mir dann die harten Fakten an: Lebenslauf, bisherige Stellen, Zeugnisse. Was mich dabei gar nicht interessiert, sind die meist vorhandenen unzähligen Kopien von Realschulabschluss, Abitur, und Vordiplom. Es interessiert mich vielmehr, was für Nebentätigkeiten der Kandidat während des Studiums hatte. Wenn jemand noch keinen anderen Job hatte, als in seinem Heimatdorf zu kellnern, dann will derjenige mir erzählen, dass er sich im Geschäftsleben auskennt? Nö…
Was auch noch sehr wichtig für mich ist: das Anschreiben. Und hier besonders: geht der Kandidat auf die Stellenausschreibung ein? Manchmal tut er das garnicht, sondern es sind Standardformulierungen, die auf jedes Stellenangebot passen. Es gibt aber auch immer wieder so nette Sätze wie “Da ich während des Studiums die Homepage unseres Fachbereichs gepflegt habe, entspricht Ihr Stellenangebot im Bereich J2ME Entwicklung genau meinen Kenntnissen und Vorstellungen”. Wie bitte? Durchgefallen!
Nachdem der letzte Absatz ja schon etwas mehr Kopf war, kommt aber jetzt wieder der Bauch. Wenn sich der Kandidat im Anschreiben und bei den bewerbungsunterlagen “dumm” anstellt, ich aber irgendwie das Gefühl habe, dass er eigentlich pfiffig und begabt, nur in Kommunikationsdingen unerfahren ist (ein “Nerd”), dann hat er trotzdem die Chance, zum Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden.
Und beim Vorstellungsgespräch selbst? Meist fällt eine negative Entscheidung innerhalb der ersten 5 Sekunden. Das kann dann wohl nur der Bauch sein… Für eine positive Entscheidung klapper ich dann doch die ganzen Fachkenntnisse ab und frage bewusst auch Dinge, die der Bewerber sehr wahrscheinlich nicht weiss - um zu sehen, wie er sich drumrumredet.
So, da ich dies nun für alle sichtbar niedergeschrieben habe, hoffe ich, dass Bewerber dies vorher lesen und mich entsprechend beeindrucken ;-)).