23. Forum Kiedrich Gründermarkt


Am Samstag, dem 28. Juni 2008, fand der 23. Forum Kiedrich Gründermarkt in den Räumlichkeiten von CSC in Wiesbaden statt. Ich war als “Alumni” dabei, d.h., ich habe dort als Gründer vor längerer Zeit, im Februar 2006, mal selbst präsentiert. Über den 19. Forum Kiedrich Gründermarkt hatte ich auch schonmal berichtet. Der prinzipielle Ablauf ist dort beschrieben.

Nach der Begrüßung ging es los mit einem Vortrag von Prof. Dr. Em. Matthias Haller, der als Präsident der Stiftung Risiko-Dialog in St. Gallen über Chancen- und Risikomanagement referierte. Der wichtigste Punkt aus seiner Sicht ist, dass Chancen und Risiken nicht normalverteilt sind, also nicht der Gauß-Kurve folgen, wie das üblicherweise angenommen wird. Stattdessen ist die Kurve in Richtung Risiko flacher und läuft damit auch weiter von dem Punkt der höchsten Wahrscheinlichkeit weg. Oder etwas platter ausgedrückt: wenn’s knallt, dann richtig. Das ist vor allem für die Versicherer und Rückversicherer wichtig, denn die müssen mit sehr hohen Schadenshöhen bei recht geringen Wahrscheinlichkeiten klarkommen (siehe z.B. 9/11).

Für Gründer sei vor allem wichtig, dass sie chanceorientiert arbeiten. Ohne das Streben nach den Chancen sei ein Risikomanagement wertlos, denn die Gründer müssen sich ja erstmal etwas erarbeiten, bevor sie das dann defensiver betrachten können. Also: “Augen zu und durch”.

Ein Großteil des Vortrags widmete sich einem Thema, in welchem das Risikomanagement definitiv schlecht bis garnicht gehandhabt bzw. sogar in betrügerischer Weise ignoriert wurde: den Subprime Krediten. Anhand von Zeitungsausschnitten machte Prof. Haller klar, dass die Risiken keineswegs unbekannt waren, sondern schon vor Jahren in seriösen Tages- und Finanzmarkt-Zeitungen nachgelesen werden konnte. Riskante Kredite wurden als neue Produkte definiert und diese neuen Produkte dann relativ zueinander einem Rating unterzogen. D.h. die Besten der Schlechten bekamen eben Bestnoten. Und dies wurde wohl nachweislich auch von großen und bekannten Banken bewusst in Kauf genommen. Ein schönes Zitat dazu von Prof. Haller: “Ich finde, die Welt ist zu wertvoll, um sie ein paar Investmentbankern zu überlassen”.

Danach ging’s zum eigentlichen Sinn der Veranstaltung: den Gründervorträgen. Ich habe mir die erste Gruppe angehört, denn da gab’s mehr Mobile-Themen. Während bei der letzten Veranstaltung gerade Social Networks in waren, wurden diesmal immerhin 4 Mobile-Themen vorgestellt. Der Hype hat sich etwas verschoben… Aber auch ansonsten gab’s interessante Ideen für effizientere Parkraumbewirtschaftung, mobile Geldautomaten, Softwareentwicklung ohne Sourcecode und vieles mehr. In der verlängerten Mittagspause konnte ich gut netzwerken und vielleicht ergibt sich die eine oder andere Kooperationsmöglichkeit mit den Mobile-Startups.

Die Seminare am Nachmittag drehten sich um Unternehmensfinanzierung, Markenpositionierung und Versicherungen. Zum Abschluss dankte Herr Plönzke, Mit-Initiator und Gesellschafter des Forum Kiedrichs, allen Mitwirkenden und entließ uns ins Wochenende.

24 Reaktionen zu “23. Forum Kiedrich Gründermarkt”

  1. GFX Fireball

    Das einzige was mir dazu einfällt ist: Ich freue mich, dass nach langer Zeit wieder ein Artikel von dir gekommen ist :)
    Wäre cool, wenn du ab nun wieder öfters bloggst ;)

    Edit by Admin: Ja, und auch schön, dass Du das kommentierst. Aber schreib doch bitte bei “Name” auch Deinen Namen rein, keine Keywords… So: URL gelöscht.

  2. Sunee

    Ich interessiere mich für das Thema Risikomanagement. Gibt es dazu Folgeveranstaltungen in den Räumlichkeiten von CSC in Wiesbaden?

  3. Andreas

    @Sunee: Nicht dass ich wüsste. Es gibt zwar neben den Gründermärkten auch immer mal wieder Workshops, die aber nur für Mitglieder (Gründer, Alumni, Mentoren) von Forum Kiedrich.

  4. ricarda

    Der Artikel ist zwar gut geschrieben, aber in der Praxis sieht alles anders aus. Die Seminare mögen gut sein, aber wirklich vorbereiten für die heutige Marktlage, können diese auch nicht. Besonders die Aussage “Augen zu und durch”, wenn da nicht die kleine Gefahr der existens mit im Spiel wäre. Heutzutage kann ich nur jedem raten, MACHT EUCH NICHT SELBSTSTÄNDIG.

  5. Andreas

    Oh, da muss ich aber widersprechen. Ein allgemeiner Ratschlag “Macht Euch nicht selbstständig” ist sicher genauso falsch wie ein allgemeines “Augen zu und durch”.

    Ich bin seit 2001 Unternehmer und ich bereue es kein bisschen. Klar wäre mein Leben stressfreier verlaufen, wenn ich meinen guten Angestellten-Job behalten hätte. Finanziell stände ich wahrscheinlich auch besser da, da ich in mein zweites Unternehmen, Zelfi, sehr viel investiert habe. Aber aufgrund der aktuellen Entwicklungen bin ich mir sehr sicher, dass sich das auszahlen wird.

    Aber was mir das Selbstständig-Sein auf jeden Fall gebracht hat und was mir keiner nehmen kann ist jede Menge Spaß, Erfahrung, Wissen und Kontakte, wie es in einem Angestellten-Job niemals möglich gewesen wäre.

    Ich will jetzt auf keinen Fall Angestellten-Jobs generell schlecht machen. Im Gegenteil, als Unternehmer brauche ich ja auch Angestellte. Gute Angestellte! Und ich versuche auch, meinen Angestellten Spaß, Erfahrung, Wissen und Kontakte zu vermitteln, so dass sie sich auch in ihrem Job wohlfühlen und langfristig profitieren. Aber für mich war das Unternehmertum definitiv die richtige Entscheidung.

    Und was das “heutzutage” angeht: es war nie einfacher, sich selbstständig zu machen. Es gibt soviele Möglichkeiten, auch ohne eine starke Kapitalbasis etwas zu starten, dass man garnicht weiß, wo man anfangen soll. Wann, wenn nicht heute?

  6. coco

    Andreas Du glücklicher, echt ein Ausnahmefall. Ich war auch über 18 Jahre Selbstständig und dachte genauso wie Du. Der Spass den Du meinst ist Lug und Trug, denn wirklich formen, außer ein Lebenskünstler zu werden, denke ist nicht drinn. Nein die Suche nach Möglichkeiten, läßt Dich alle gute Tugenden, die Du vom Elternhaus mitbekommen hast mit der Zeit vergessen. Meine Kontakte, ja Die und ich hatte wirklich viele und das International, ja die lieber Andreas, sind genauso weg wie meine Firma und es waren mittlerweile schon gute Freunde dabei, dachte ich zumindenst. Ok, jetzt weiß ich natürlich nicht in welcher Sparte du dich gerade bewegst, scheinst aber laut deiner Aussage ziemlich flexibel zu sein. Rechne Dir deinen wirklichen Gewinn abz. aller Kosten incl. Steuer mal aus, Na noch was da und wenn ja, dann lieber Andreas wie gesagt, du glücklicher, eben ein Ausnahmefall..

  7. apomio

    Ich habe heute erst diesen Blog entdeckt! Wir selbst betreiben auch ein junges Startup und sind ständig auf der Suche nach neuen Blogs und Informationsquellen. Werde mir erntrepreneur-blog.de gleich mal abonnieren!

  8. Rudi

    Ich finde den Blog echt super. Die Beiträge sind hier sehr interessant. Weiter so ;)

  9. Bernd Jalousien

    Schön das es hier endlich mal weiter geht. Ich hoffe das du in der nächsten Zeit doch noch ein paar Beiträge schreibst

    Edit by Admin: URL gelöscht - Du heisst nicht wirklich mit Nachnamen Jalousien, oder?

  10. Frank Ziegler

    …denn die Gründer müssen sich ja erstmal etwas erarbeiten, bevor sie das dann defensiver betrachten können. Also: “Augen zu und durch”.

    Und das hat der Prof. Dr. Em. Matthias Haller so gesagt? Schon ein sehr gewagter Ansatz, irgendwie hört man sonst immer genau das Gegenteil, dass Gründer die Risiken massiv unterschätzen, und die Meisten genau daran scheitern. “Augen zu und durch” wird dann meist zu “Augen zu und gegen die Wand”.

    Andererseits hat er wohl recht, wenn man diesen Ansatz im gesamtwirtschaftlichen Kontext sieht, es werden mehr echte Innovationen entstehen nach diesem Ansatz. Das hilft dem einzelnen Gründer, der zur Mehrzahl derer gehört, die “gegen die Wand fahren” aber nur bedingt weiter.

  11. Sandra

    Wenn man in die Selbstständigkeit geht, sollte das schon recht gut überlegt und vor allem kalkuliert sein. Und es kommt natürlich drauf an, wie sich der Markt entwickelt. Es hat immer Sonnen- und Schattenseiten.
    Auf jeden Fall hört sich dieser Vortrag für mich interessant an. Ansonsten kann man sich aber auch recht gut beim Arbeitsamt informieren.

  12. Tim

    Ein Sehr spannender Beitrag. Ein starker Blog. Macht spaß hier zu lesen. weiter so.

  13. heinz

    Immer ein sehr interessantes Thema, doch alle Risiken lassen sich nicht eindämmen. Jedoch ist es wichtig, dass man nicht blind in eines Sache rein läuft.

  14. Laura

    Auf jeden Fall sehr interessant. Ich würde ich mich für ein Buch über Risikomanagement interessieren. Habt ihr da vielleicht einen Tipp?

  15. Audigier

    habe leider keinen Tipp für dich! Habe bisher nur Müll über dieses Thema gelesen! Warte auch auf ein gutes Buch zum Thema Risikomanagement

  16. Lisa

    Also ich habe auch keinen Tipp, denn es ist mir auch noch nicht gelungen ein passendes Buch zu finden.

  17. eric mozanowski

    toller Beitrag, ich hoffe es wird bald nochmehr zu lesen geben!

  18. Chris

    Ist der Blog eingeschlafen? Schade.

  19. Andreas

    Nein, nicht eingeschlafen, soeben neues Posting veröffentlich ;-).

  20. Strompeter

    Ohne Mut und Risikofreudigkeit ist ein Gründer meines Erachtens zum Scheitern verurteilt.

    Interessanter Beitrag

    Grüße

  21. Magnus

    Sicherlich gehören Mut und Risikobereitschaft zum Unternehmertum dazu. Dennoch sollte man nicht unüberlegt in die Selbstständigkeit gehen. Es können nicht alle Risiken ausgeschlossen, aber zumindest minimiert werden. Abgesehen davon denke ich, dass die Aussagen “Augen zu und durch” genauso falsch sind, wie die Aussage “Macht euch bloß nicht selbstständig”. Es kommt immer auf die Idee an und auf den Gründer selbst, mit wie viel Tatkraft und Engagement ist er bei der Sache, steht er hinter seinem Produkt, ist er bereit neue Wege zu gehen. Resignieren bringt nichts!

  22. Thomas

    Das klingt ja wirklich sehr interessant. Ich habe deinen Beitrag sehr aufmerksam gelesen und auch noch auf den Link zur 19ten geklickt. Das klingt auch nicht schlecht. Ich kann mich Sunee nur anschließen ich würde auch gerne über das Thema Risikomanagement mehr wissen. Das klingt wirklich gut und ich denke, dass ich das in meiner Branche sehr gut brauchen könnte. Schade ist nur, dass es keine Veranstaltung dazu gibt.

    Und jetzt hätte ich noch etwas zu Strompeter zu sagen. Ich glaube schon, dass Risiko mit dazu gehört, aber nur mit bedacht sollte man so was aufziehen, denn ansonsten ist es wirklich zum scheitern verurteilt.

  23. Anne

    Da ich mich bald selbstständig machen will, würde ich ebenfalls gerne mehr über Risikomanagement wissen. Auch über Existenzgründung. Es gibt sehr Vieles zu diesem Thema im Internet, da bekommt man schon gar kein Überblick mehr. Hoffe hier noch etwas interessantes zu entdecken.

  24. Jens

    Ich finde Risiko ist ein unglücklich gewählter Begriff im Zusammenhang mit einem Unternehmer. Risiko kommt aus der Glücksspielsparte und meint etwas nicht Berechenbares. Die Bezeichnung “kalkuliertes Risiko” ist also ziemlicher Verbalschwachsinn. Und ein Unternehmer der stets besagtes Risiko geht, dem wird es irgendwann nicht anders gehen als eben den meisten Glücksspielern. Jeder vernünftige, gut aufgestellte Unternehmer sondiert, trägt zusammen, analysiert, entwickelt usw. er ist also versucht jedwedes Szenario zu berechnen! Dass es Faktoren gibt, die nicht zu kalkulieren sind wie z.B. das Wetter oder einfach magelnde Empirie, hat in meinen Augen nichts mit dem erwähnten Risiko zu tun.
    Ein Würschtlverkäufer wird jeden Tag an seinem Stand sein um Würste zu verkaufen. Niemand käme auf die Idee, dem Budenbesitzer an einem Regentag ein höheres Geschäftsrisiko zu unterstellen, als bei normalen Wetter. Sein Umsatz hängt generell von seiner Recherche (wo ist ein guter Platz, was essen meine Kunden vorrangig…)und seiner Erfahrung ab. Genausogut käme kein Würschtlbudenbesitzer auf die Idee, neben seinem Grill einen Eimer mit exotischen, edlen Blumen zum Verkauf anzubieten. Das wäre wirkliches Risiko. Macht aber kein normaler Unternehmer.

Einen Kommentar schreiben